Wie kleine Menschen große Kreative bleiben*

„Wie kriegen wir den Stoff in die Köpfe?“ fragen sich täglich Millionen Lehrer und Eltern. Die meisten Bildungssysteme der Welt sind darauf ausgerichtet, den Kindern etwas beizu-bringen und zu vermitteln. Die meisten Pädagogikstudiengänge sind darauf ausgerichtet, ihren Absolventen beizubringen und zu vermitteln, wie sie jungen Menschen etwas beibringen und vermitteln.  Unsere Schulen beantworten täglich tausende Fragen, die junge Menschen nicht haben, mit tausenden Antworten, die sie nicht interessieren – und testen dann, ob sie die Antworten im Kopf haben. So geht es nicht. So kommen wir nicht voran. So bilden wir nicht Innovationsgeist bei unseren Kindern. Wir brauchen mehr Kreativität beim Lernen.

17. April 2012 by Bea Beste

Experten schätzen, dass Kreativität eine der wichtigsten Fähigkeiten des 21sten Jahrhunderts ist. Dabei geht es nicht ausschließlich um künstlerische und musische Fähigkeiten – Kreativität ist eine Haltung, ohne die die Wissenschaft oder das Ingenieurswesen nicht vorankommt. Kreativität ist die Grundlage für Innovation und für einen erfolgreichen Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen, mit wirtschaftlicher Unsicherheit und Instabilität.

Warum brauchen wir eine kreative Jugend? Kreativen Menschen „fällt schon was ein“. Sie sind flexiblere und bessere Problemlöser. Der Computerkonzern IBM rechnete im Jahr 2009 aus, dass sich Kreativität positiv auf das gesamte Unternehmen auswirkt: die Bereitschaft zu Veränderungen steigt, Entscheidungen fallen leichter, Probleme werden schneller gelöst.

Eddy Playducation

Dabei sind diese kleinen Wesen namens Kinder voller Kreativität, die Ihnen nicht eingetrichtert werden muss. Sie haben sie schon – Eltern und Schule brauchen sie nur zu fördern und nicht zu ersticken.

Sesamstraße ist überall

Neugier kann wachgehalten werden. Alles lässt sich anfassen, untersuchen, inspizieren. Wie heißen Materialien, woher kommen sie, welche Farbe haben sie im Ursprungszustand? Lässt sich das verformen? Was ist hart, was ist weich? Und warum? Vergessen wir nicht: Antworten gibt’s zuhauf: im Internet. Gewusst wo wird in Zukunft wichtiger als memoriert. Einer der schönsten Sätze, die ein Lehrer oder ein Elternteil sagen kann, twitterte neulich @Herrlarbig: „ich wollte wissen, wie es funktioniert.“ Neugier vorleben macht Kinder selbst neugierig.

playDUcation color quest

Voranscheitern – Fehler machen ist gut

Je entspannter ein Kind Dinge ausprobieren kann und dabei erleben darf, dass Fehler nicht schlimm, sondern Lerngelegenheiten sind, umso kreativer wird es. Je mehr es beim Malen oder Experimentieren erlebt, dass kleckern und matschen, vergeudetes Material oder schlichtweg etwas, das nicht funktioniert, nicht schlimm ist sondern normaler Teil des Experimentierprozesses ist und sogar als Lernfortschritt gewürdigt wird, desto mehr traut es sich, Neues zu denken und zu wagen.

playducation air

Einverstanden, dass nicht einverstanden

Kreativ ist, wer auch eine andere Meinung hat, zulässt und durchdenkt. Wenn Kinder erleben, dass es unterschiedliche Sichtweisen auf und Herangehensweisen an Lösungsansätze für ein Thema gibt, lernen sie kreativ in Alternativen zu denken.

playDUcation color quest

Spielen, spielen, spielen

Je unbeschwerter Kinder und das Kind in jedem Zeit fürs Spielen hat, desto mehr entwickelt sich die Kreativität. Das schöne am Spielen ist, dass es nicht final ist, dass man immer wieder vom Neuen starten kann, und vor allem das es Spaß macht. Spielen ist der schönste Weg zu Kreativität und Lernen - in und außerhalb der Schule.

Die neue Bildungsaufgabe ist somit: spielerisch Kreativität und andere Fähigkeiten des 21. Jahrhunderts fördern.

playducation

* Jahrelang lautete der Claim von Phorms "Wie kleine Menschen große Optimisten bleiben." Ich habe mir erlaubt, es zu zitieren. Denn in Optimusmus steckt eine große Menge Kreativität. Und in Kreativität steckt auch eine große Menge Optimismus. 

Go back

blog comments powered by Disqus