Lehrerbildung ist zu verschult und praxisfern

An Indian educator helped us get in touch: Susann Meyer was first introduced to our team by Kiran Bir Sethi of Riverside School and we were lucky to have her as an intern at playDUcation over the summer. Susann is a teacher-to-be studying in Jena and after her internship we intervieweed her about the state of German teacher education. Her wish: A more practical teacher education program that really prepares you to become a teacher.

03. November 2011 by Basti Hirsch

Warum willst du Lehrerin werden?

Warum ich Lehrerin werden will? Ich bin kommunikativ, neugierig, kreativ und arbeite gern mit Menschen, v.a. mit Kindern und Jugendlichen. Ich habe Praktika im Kindergarten gemacht, war Babysitter und AuPair. Ich finde es einfach faszinierend zu sehen, wie sich Kids entwickeln. Ich will einen Teil dazu beitragen, dass sie Spaß am Lernen haben und sich das angestaubte Bild von Schule ändert. Ich bin überzeugt davon, dass wenn man an seine Schüler glaubt und sie unterstützt, viel möglich ist.

Was ist der Schwerpunkt Deines Studiums?

Der Schwerpunkt meines Studiums liegt auf den Fachwissenschaften, in meinem Fall Englisch und Geographie. Erziehungswissenschaften/Pädagogik und Didaktik spielen eine eher untergeordnete Rolle. In Zahlen ausgedrückt muss ich: jeweils 100 Credits in den zwei Fachwissenschaften Geographie und Englisch nachweisen, dazu kommen 20 Credits für die Staatsexamensarbeit, jeweils 20 Credits in den Fachdidaktiken (Geo + Engl) und 40 Credits in den Erziehungswissenschaften.

Wie erlebst du die Lehrerausbildung insgesamt?

Ich erlebe die Lehrerbildung als zu verschult und praxisfern. Ich habe das Gefühl, dass ich den Großteil dessen, was ich in der Uni lerne, nicht in der Schule anwenden kann. Auf der anderen Seite scheint es, als ob die wirklich wichtigen Dinge nicht angesprochen werden. Niemand sagt mir z.B. wie ich mit schwierigen Schülern umgehe, wie ein sinnvolles Classroom Management aussehen kann oder wie schülerzentrierter Unterricht wirklich gelingt. Ich kann nur für meine persönliche Erfahrung sprechen, aber die Erziehungswissenschaften sind ein Graus: überfüllte Veranstaltungen, unbesetzte Lehrstühle und überforderte Dozenten tragen nicht unbedingt zu unserer pädagogischen Expertise bei.

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Was sind die Höhepunkte in deinem Studiums?

Ein Höhepunkt ist der Zusammenhalt zwischen den Studenten. Ich habe außerdem das Glück gehabt, im Laufe des Studiums viel Praxiserfahrung sammeln zu können. Zum einen durch ein integriertes Praxissemester, was ich an einer International School gemacht habe, und zum anderen durch ein Stipendium für ein Urlaubssemester, durch das ich die wundervolle Riverside School in Ahmedabad, Indien kennengelernt habe. Diese beiden Schulen, die man wohl als eher unkonventionell bezeichnet könnte, haben mir die Augen für innovative Ansätze in der Bildung geöffnet.

Was war der Tiefpunkt?

Tiefpunkte gibt es immer wieder. Wir waren 2007 der erste Jahrgang, der ein neues Lehramtsmodell angefangen hat. Es wurde viel versprochen und wenig gehalten. Wir waren und sind quasi die Versuchskaninchen und müssen die Kinderkrankheiten beseitigen. Da wir immer die Ersten sind, die alles praktisch durchlaufen, was vorher nur theoretisch auf dem Papier existierte, gibt es immer wieder Konflikte und Unstimmigkeiten. Wenn man dann allzu oft hört: „Das nächste Mal machen wir es anders“ und für uns konkret eben meistens keine Änderungen ersichtlich sind, frustriert das auf Dauer ganz schön.

Welche Erfahrungen hast du außerhalb der Uni gesammelt?

Wie schon erwähnt, habe ich an zwei innovativen Schulen gearbeitet. Außerdem habe ich ein Praktikum bei PlayDUcation gemacht. Ich halte die Augen und Ohren offen, babysitte, hatte diverse Nebenjobs, reise viel, lerne verschiedenste Menschen kennen und lasse mich inspirieren. Ich habe auch festgestellt, dass Dinge, die eigentlich vordergründig nichts mit meinem Studium zu tun haben sehr bereichernd sein können. Den Blickwinkel zu wechseln tut manchmal gut.

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Wenn du die deutsche Lehrerbildung an einer spezifischen Stelle ändern könntest: Was würdest du tun? Was würdest du sein lassen?

Ein Studium, was wirklich auf den Beruf vorbereitet und nicht nur so tut, wäre super. Dazu gehört meiner Meinung nach u.a. inhaltlich rigoros auszumisten, mehr Praxisbezug zu schaffen, nicht alles im Seminarraum theoretisch abzuhandeln, sondern raus zu gehen und zu schauen, externe Leute mit frischen Ideen einzubinden, mehr Möglichkeiten aufzuzeigen (auch außerhalb der klassischen Schullaufbahn), Dozenten zu entlasten und didaktisch zu schulen, mehr Transparenz und Mitspracherecht zu schaffen, Bürokratieabbau und bessere Kommunikation.

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