Ich sehe was, was Du nicht siehst

exploring: Flecken, Rost und Dreck – „the flaws of the world“

engaging: Fantasie

learning: Kreativität lässt sich trainieren

24. March 2012 by Bea Beste

„Denk noch mal darüber nach!“ heißt es so oft, wenn wir eine Lösung für ein Problem brauchen. Wir versuchen uns hinzusetzen und uns auf das zu konzentrieren, was gebraucht wird. In der Schule wird großer Wert auf Konzentration und Fokus gelegt. Kinder, die das nicht können oder wollen, werden nur zu schnell mit dem Label ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom) abgestempelt und als Lernpatienten auf einen Weg voller Förder-Frustrationen geschickt.

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Dabei kann Zerstreutheit gerade der Schlüssel sein, wenn eine Lösung her muss. Wussten wir’s doch immer: Die besten Ideen kommen unter der Dusche! Beim Joggen! Draußen im Park! Das haben Wissenschaftler auch schon belegt: Die Professorin Kalina Christoff von der University of British Columbia untersuchte das Phänomen des Tagträumens. Die Gehirnwissenschaftlerin fand heraus, dass sich am Tagträumen auch Gehirnregionen beteiligen, die eigentlich für das Gegenteil zuständig sind, nämlich für das Konzentrieren auf komplizierte Aufgaben. Bisher glaubte man, dass sich die Aktivität beider Netzwerke gegenseitig ausschließt. Mit Hilfe von Messungen und Tests fand Prof. Christoff heraus, dass eine Aktivität, die uns von einem Ziel ablenkt, durchaus uns darauf vorbereiten kann, gleichzeitig etwas anderes zu tun und dies bewusst zu koordinieren. Offensichtlich lösen wir also beim Tagträumen dringendere Probleme als die unmittelbar vorliegenden täglichen Routineaufgaben - möglicher Weise auch unbewusst. Prof. Christoff: "Beim Tagträumen erreichen Sie vielleicht nicht Ihr unmittelbar vorliegendes Ziel - zum Beispiel ein Buch lesen oder im Unterricht aufpassen - aber es kann sein, dass Ihr Gehirn sich diese Zeit nimmt, um sich mit wichtigeren und weitaus komplexeren Fragen zu beschäftigen, wie mit persönlichen Beziehungen oder der eigenen Karriereplanung."

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Trotzdem, geht das systematischer? Können wir unser Gehirn in die Dusch-Stimmung nicht auch auf Knopfdruck versetzen, so dass wir auch unmittelbar Problemlösungen produzieren? Ja. Kreativität ist wie ein Muskel, sie lässt sich trainieren und aufbauen. Und wie für Optimismus gilt hier auch: Kinder müssen das nicht lernen, sie müssen nur die Gelegenheit haben, ihre natürlichen Fähigkeiten nicht zu verlernen.

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Hier ist eine schöne Übung, ein Kreativitäts-Booster: Kreaturen sehen. Es ist eine Steigerungsform des Spiels „ich sehe etwas, was Du nicht siehst“ mit Formen.

Hintergrund: Gehirne, insbesondere diejenige junger Menschen, besitzen die Fähigkeit, Muster zu erkennen und sich daraus oft einen Reim jenseits der konkreten Realität zu machen. Der Fachbegriff ist „Pareidolie“ (von griechisch para, „daneben, vorbei“, und „eidolon“ = „Bild, Erscheinung“). Das ist keine Krankheit, sondern eben diese Fähigkeit des Gehirns, bei seiner stetigen Suche nach Mustern und Bildern in der Wahrnehmung diese auch selbst in zufälligen Strukturen oder in Sinneseindrücken geringen Informationsgehalts zu finden. Deswegen sehen Kinder (und Kind-gebliebene wie ich) immer Fantasiegestalten in den Wolken, komische Monster im Wald und den Mann im Mond. Genau diese Kreaturen gilt es, sichtbar zu machen. Das ist das ganze Spiel.

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Die Anleitung ist einfach:

  1. Guckst du! Flecken, Dreck, Unregelmäßigkeiten, Zufälliges, komische Gebilde... finden.
  2. Knipst du! Foto schießen. Ausdrucken oder weiter mit dem IPad arbeiten.
  3. Mal mal! Wenn das Foto ausgedruckt vorliegt, oder im IPad drin ist, geht der Spaß los: Wie lassen sich die Figuren oder Kreaturen, die in den Motiven drin stecken, zum Leben erwecken? Augen sind das wichtigste. Damit erhalten sie eine Seele. Der Rest kommt dann von alleine. Mund, Schnauze, Zähne, Schnabel, Hände, Flügel, Pfoten, alles kann dazu kommen. Ich bleibe bei dünnen Stricken und Punkten in nur Schwarz, Weiß und Rot, damit die ursprüngliche Struktur noch zu erkennen ist. Aber wie immer bei Kreativität ist alles erlaubt!

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Zur Technik: Wenn Ihr Euch für die IPad Kunst entscheidet, empfehle ich als Einsteiger-App „Drawing Pad“. Die ist für Vorschule gedacht und SIMPELST in der Anwendung! Für Fortgeschrittene empfehle ich Brushes, das nutze ich am meisten – da kann man in verschiedene Ebenen malen und auch ganz feine dünne Striche machen. Ein besonderer Gruß an diejenigen, die sich bislang haben schon anstecken lassen - Margret, Lisa und Olde. 

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Viel Spaß beim Trainieren des Kreativitätsmuskels!

Und an diejenigen von euch, die es ausprobieren als Eltern, gleich eine Frage: Könnt Ihr euch vorstellen, das Spiel auch mit euren Kindern zu machen? Habt Ihr Lust, das auszuprobieren? Lasst uns über Facebook oder Twitter wissen, wir schicken Euch gern Bildvorlagen und Anregungen. Wir entwickeln eine Idee, die damit zu tun hat, für unsere Juhu-Box und freuen uns über alle, die sie testen wollen.

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A note in English that explains the main thought – the rest is art:

„In recent years, scientists have begun to see the act of daydreaming very differently. They’ve demonstrated that daydreaming is a fundamental feature of the human mind – so fundamental, in fact, that it’s often referred to as our “default” mode of thought. Many scientists argue that daydreaming is a crucial tool for creativity, a thought process that allows the brain to make new associations and connections. Instead of focusing on our immediate surroundings the daydreaming mind is free to engage in abstract thought and imaginative ramblings. As a result, we’re able to imagine things that don’t actually exist, like sticky yellow bookmarks.“ (Source: http://www.neurosciencemarketing.com/blog/articles/daydreaming-creativity.htm )

And I would add: like seeing creatures in the flaws of the world!

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